Die Stabilität unserer gegenwärtigen globalen Gesellschaft wird durch anhaltende Degradation natürlicher Systeme bedroht. Übermäßige Ausbeutung, Zerstörung und Verunreinigung dieser Systeme im Exzess haben zur Konsequenz, dass das pro Person gemessene Verhältnis an „Ressourcenwohlstand“ rasant abnimmt.
Das hier ohnehin existierende globale Missverhältnis schafft Ungleichheiten in ökonomischen und sozialen Bedingungen, die wiederum politische Spannungen zur Folge haben.
Das Erkennen dieser Belastung und unseres bisher offensichtlichen Unvermögens, diese Trends zu stoppen oder gar umzukehren, drängt zu einem ökologischen Wandel und hin zu sozialer Nachhaltigkeit. Die Küstenzonen sind der wichtigste menschliche Lebensraum, der diesen Bedrohungen ausgesetzt ist.
Der Forschungsschwerpunkt von SPICOSA wird deswegen auf nachhaltiger Entwicklung und integriertem Küstenzonenmanagement liegen. Im Laufe des Projektes wird ein systemtheoretischer Rahmen entwickelt, der Werkzeuge zur Unterstützung von Entscheidungen für sogenannte integrierte ökologische, soziale und ökonomische Beurteilungen (ESE) hervorbringt. Sie werden benötigt zur Verbesserung der Möglichkeiten zur Impulsgebung und Formulierung für Politikrichtlinien, die die Nachhaltigkeit von Küstengebieten / Küstenzonen-Systemen unterstützen. Der systemtheoretische Ansatz wird auf dem besten existierenden Wissen basieren. An verschiedenen europaweiten Forschungsstationen wird er angewendet, bestmöglich bestätigt, verfeinert und verbessert werden.
SPICOSA ist eine Gemeinschaft aus Natur-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern, die neues Wissen über prognostische Methoden für komplexe Ökosysteme hervorbringt, soziale Bedürfnisse anspricht, indem Nachhaltigkeit gefördert und Wissenschaft mit Politikrichtlinien verknüpft werden, und durch Förderung internationaler und multidisziplinärer Integration zu einem Wandel der Forschungsinfrastruktur beigetragen wird.
In Deutschland werden die Arbeiten in der Odermündung gemeinsam mit den Partnern des Leibniz-Institutes für Ostseeforschung Warnemünde, dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung und der Küstenunion Deutschland e.V. durchgeführt werden. Tourismus, Agrarindustrie, Fischerei und Schifffahrtsverkehr in der Region führen zu Eutrophierung, Nährstoffanreicherung, biochemischer Verschmutzung, Zerstörung von Lebensräumen und Verlust von Biodiversität. Die Gründe hierfür liegen in den drastischen Veränderungen agrarwirtschaftlicher und industrieller Intensitäten und Verfahren im Flusseinzugsgebiet der Oder und dem ansteigenden Tourismus nach der deutschen Wiedervereinigung, sowie den seit 1989 anhaltenden politischen Veränderungen in Polen, einschließlich der polnischen EU-Mitgliedschaft. Es wurden infolgedessen schwerwiegende Auswirkungen auf Eutrophierung und Nährstoffanreicherung beobachtet. Zudem müssen die sozioökonomischen und ökologischen Gefälle und anwachsenden wirtschaftlichen Probleme berücksichtigt werden.
In Hinblick auf Politikrichtlinien geht es um die Auswirkungen dieser Veränderungen in der Landnutzung des Flusseinzugsgebiets der Oder, um die Wasserqualität der Küste und die daraus entstehenden Konsequenzen für Küstenwassermanagement. Szenarien für zukünftige Landnutzung sollen entwickelt, konkrete Maßnahmen zur Reduzierung der Umweltverschmutzung vorgeschlagen und eine sozioökonomische Evaluierung durchgeführt werden.
Das Kolleg konzentriert sich auf Fragen der Interessenaushandlung verschiedener Nutzergruppen, der partizipativen Entwicklung von Transitionsstrategien und der Bildung und Kompetenzentwicklung der Akteure und Institutionen. Die grenzüberschreitenden Fragestellungen sind ein zusätzliches, inhaltliches und methodisches Feld.
Das Kolleg leitet das WP 6 und gehört zum think-tank von Node 1 and 2.
Das Konsortium SPICOSA ist ein Zusammenschluss von 54 europäischen Forschungseinrichtungen. Das Management liegt in den Händen von INFREMER – dem Institut Français pour l'Exploitation de la Mer und der Universität von Brest.
Kontakt
Dr. Joachim Borner
E-mail: jborner@kmgne.de
Te. 030 / 29 367 940